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Presse: Carlos Bica - "Single"

Carlos Bica -"Single"
BOR Land 025 / www.carlosbica.com

Ich gebe zu, es war ein Wunsch von mir: Carlos Bica, allein mit seinem Kontrabass. Der Portugiese und sein Kontrabass haben einander, mehr benötigen sie nicht. Der eine hilft dem anderen bei der Klangerzeugung bzw. Klangforschung.

Im Eröffnungsstück „A Luz da Rosa“ ist es zunächst nur ein einzelner Ton, schmal und lang gezogen, der hereinschwebt. Dann folgt ein kurzer Tanz auf dem Griffbrett, dezente Mehrstimmigkeit blitzt auf. Bica betrachtet hier und im Folgenden zunächst jeden Stein des Klangmosaiks für sich. Dies mag ein Riff sein, dies mag eine klagende arco-Linie sein, dies mag ein Flageolett-Tanz sein. Nach und nach werden die ansonsten kurzen Stücke immer weiter mit Facetten angefüllt aber nie überfüllt. Wenn Bica ganz zum Ende der CD dann doch noch Overdubs einsetzt wundert man sich. Bis dahin hat sie keiner vermisst, denn es war spannend genug.

Melodischer Feinsinn schwebte über allem. Nur mit zwei Tonhöhen oder einem knappen rhythmischen Fetzen kann Bica ein ganzes Epos erzählen. Oder umgekehrt: Im minimalistischen „White Wall“ sprechen die Pausen mehr als die Klänge. „Agora“ ist ein langer, ruhiger Erzählfluss. „Martelato“ ein vorwärts purzelndes Perpetuum mobile. Aber auch hier ist immer wieder Zeit für kurzes Innehalten.

Nur einmal schwenkt Carlos Bica auf „Single“ in die Welt der Geräusche („A Porta“). Dies sind 52 Sekunden, und auch damit hat er dann alles zu diesem Steinchen gesagt. Es gibt Musiker, die tun dies 52 Minuten und sagen damit weniger als Bica. Kontrabass-solo muss nicht immer (mehr oder weniger) frei improvisiertes Geknarze sein.

Der Wahlberliner hat sich für seine erste Solo-CD Zeit gelassen und genommen. Die CD erscheint statt auf seinem Stammlabel Enja auf einem kleinen Label. Dennoch gehört sie in die vorderste Reihe der Kontrabasssolo-CDs.
Thorsten Meyer (Jazz Podium, Oktober 2006)

 
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