[<<< back|zurück]

Presse: Carlos Bica & Azul - "More Than This"

Seit 20 Jahren verwöhnen der Kontrabassmelodiker Carlos Bica und sein Trio Azul mit lauter Album-Preziosen zwischen Klangmalerei und Rock mit gelegentlichem Folk-Einschlag...drei eigenwillige Charaktere, ein Trio der etwas anderen Art.

Berthold Klostermann, STEREO

AZUL ist nicht einfach eine Band, AZUL ist ein Sound. Über zwanzig Jahre spielen Carlos Bica, Frank Möbus und Jim Black nun zusammen, und finden immer wieder neue Ansätze, Bicas kompositorische Handschrift aus melancholischen Themen und spartanischen Arrangements zu einem farbenreichen Bandsound mit lyrischen Kontrapunkten und rhythmischem Drive weiterzuentwickeln. Mit der ersten AZUL-CD begann 1996 dann die Erfolgsgeschichte des Trios, der nun mit “More Than This" (Clean Feed) ein neues Kapitel hinzugefügt wird.

Thorsten Meyer, aus dem Interview im Jazz Podium

Ein audiophiles Abenteuer erster Güte!

KLENKES, Aachen

Vor 20 Jahren empfahl sich Carlos Bica mit seiner CD “Azul” (Polygram) als Entdeckung des Sommers. Was der portugiesische Bassist damals mit dem Berliner Gitarristen Frank Möbus und dem US-Drummer Jim Black in mediterraner Heiterkeit voll flirrender Klangflächen kredenzte, ist inzwischen zu ungemein intensiven Folk-Pop-Free-Jazz-Soundscapes gereift, wie das neue Album »More Than This« des längst nach seinem Erstling benannten Trios hinreißend zeigt. Es ist ein lustvolles Spiel in weit offenen Räumen - mit farbenreichen Melodien zu raffiniert vertrackten Rhythmen, die Jim Black höchst musikaIisch trommelnd auf fein abgestimmten Toms und ungewöhnlich crashig swingenden Cymbals ebenso dynamisch wie detailreich zeichnet. Die Rolle des Koloristen teilen sich die beiden Saiten-Künstler in berührenden Dialogen. Da pulst Bica diskrete Single-Notes in die elegant verzerrten, entfernt an Bill Frisell erinnernden Guitar-Lines von Möbus, um gleich darauf seinen warmtönigen Bass melodisch zum Singen zu bringen. In organischem Fluss, der gleichermaßen Gelassenheit wie Kraft ausstrahlt, entwickeln sich hier poetische Klangbilder, deren filigran-groovige Originalität atemberaubend ist.

Sven Thielmann, Hifi&Records

Carlos Bica & Azul mit Frank Möbus und Jim Black wissen genau, wo in ihren von kraftvollen “Free' - Ausbrüchen durchsetzten KammerJazz Rockelemente oder Folkloristisches eingebaut werden muss. Bica ist ein Kontrabass-Gott, der mit Gitarre und Schlagzeug wirklich zu "spielen" weiß.

Karsten Zimalla, Westzeit

Bica ist ein bekennender Romantiker, und es ist eine hohe Kunst seines Trios, wie hier nichts im vorhersehbar Banalen dümpelt. Ein stoischer, mediterrane Themen durchschreitender Bass, eine zwischen den Linien Luft und Licht lassende Gitarre und dazu ein punktgenau Akzente setzendes Schlagzeug - so hebt das ab, klingt nach Meer, nach weiten Landschaften und stürzt doch nicht in pure Idyllen ab. Eingängige Songs ohne Worte sind das, wundervolle Preziosen, die Schönheit formulieren über den Tag hinaus.

Ulrich Steinmetzger, Berner Zeitung (CH) + Leipziger Volkszeitung

Seit 1996 gibt es Azul, das neue Album ist das sechste der Trios des portugiesischen Bassisten Carlos Bica, des Gitarristen Frank Möbus und des Drums- und Percussion-Zauberers Jim Black. Bicas warmer Kontrabass versus die stählernen karg- und Klarheit Möbusscher Sachlichkeit und mittendrin als “Schlichter” das feine Handwerk Black - das ergibt ein Terzett, wie man es kein zweites Mal trifft... Ein so zusammengewachsenes Trio wie dieses, das sein Material so extrem auf pure Essenz zu komprimieren weiß, kann solche Unterschiede mühelos verwischen. Und genau das macht die Faszination von Azul aus: ihre konsequente Eigensinnigkeit.

Alexander Schmitz, Jazz Podium

Seit mehr als 20 Jahren besteht dieses Trio - ein sicherer Hinweis darauf, dass es das Publikum erreicht. Das eigentliche Geheimnis von Azul ist der unaufdringliche, aber ganz spezielle Flow. Ob schwebend-melancholisch oder treibend-bizarr: Man wird als Hörer eins mit dem strömenden Medium und fühlt sich wohl darin. Carlos Bica, der sanfte Bassist aus Portugal, ein Meister des melodisch groovenden Understatements, hält das Feuer diese Musik ruhig und stetig am knistern und seine Mitspieler zusammen. Frank Möbus an der elektrischen Gitarre und Jim Black am Schlagzeug gehören nämlich eher zu den Widerspenstigen und Unbotmäßigen und scheinen ständig die Grenzen des Konzepts zu erkunden. Genau diese Verbindung aus Tiefenentspannung und Eigensinn macht, dass Azul auch auf ihrem sechsten Album kein bißchen langweilig werden. Jazzige Coolness, folkige Schlichtheit und eine querköpfige Indie-Pop-Haltung gehen prima zusammen.

Hans-Jürgen Schaal, Jazz Thing

Es ist über zwanzig Jahre her, da erschien das erste Album dieses Trios. Und bis heute haben Carlos Bica, Frank Möbus und Jim Black nichts von ihrer Neugier und ihrer Frische verloren. Bei ihnen paaren sich nach wie vor impressionistische Momentaufnahmen und klare Strukturen zu einer grenzüberschreitenden Musikalität. Die drei sind stilistisch nach allen Seiten offen, tragen zugleich einen unglaublichen Erfahrungsschatz in sich. Sie musizieren mit Hingabe und visionärer Kraft, so dass jedes ihrer Alben ein Klangabenteuer für sich ist.

Man stelle sich nur einmal vor: Ein portugiesischer Bassist (Bica), ein Gitarrist aus Mittelfranken (Möbus) und ein Schlagwerker aus der Hochburg des Grunge, aus Seattle (Black). Man könnte auch zusammenfassen: Die Melancholie des Fado, die abstrakte Radikalität des Jazz, der treibende Groove des Rock`n Roll. Und zwischendurch verlassen die einzelnen Instrumentalisten ihr musikalisches Idiom, spielen dunkel grundierten Blues und sphärische Balladen, fordern mit glühenden Glissandi heraus und berühren mit destillierter Sehnsucht. Sie lassen sich Zeit, und verbauen auf ihren waghalsigen Wanderungen die Ebene zum Horizont niemals virtuos. Der (hörbare) Spaß spielt eine Rolle und auch ein Quentchen Humor. “Um etwas ernstes auszudrücken muss man nicht immer ernst sein”, sagte Carlos Bica vor einigen Jahren in einem Interview.

“More Than This” klingt ebenso perfekt arrangiert, wie durchgehend improvisiert. Diese Musik besitzt Leuchtkraft, wie einer dieser uralten, aber wunderschönen Leuchttürme an der Küste Portugals, die den Schiffen auf stürmischer See verlässlich Heim leuchten. In den Hafen der sehnsuchtsvollen Geborgenheit.

Jörg Konrad, Kultkomplott

Diese Produktion des portugiesischen Kontrabassisten Carlos Bica belegt zwei alte Weisheiten im Jazz. Die eine lautet: Nichts kann einen Kontrabass ersetzen. Die zweite: Nichts geht über langjährige Zusammenarbeit.

Seit über zwanzig Jahren besteht das Trio Azul um den Wahlberliner Tieftöner Carlos Bica. Mit Jim Black, dem amerikanischen Schlagzeuger aus der New Yorker Avantgarde-Fusion- und Downtown-Szene, und dem deutschen Hauptstadt-Gitarristen Frank Möbus sind zwei ausgesprochen stilbildende Musiker die weiteren Eckpunkte eines Dreiecks, das wie ein zirkulärer Teilchenbeschleuniger funktioniert. In elf von Bica alleine oder zusammen mit Partnern aus dem Azul-Freundeskreis komponierten Stücken prallen kleinteilige rhythmische Zellen, angetrieben von trashig verfremdeten Perkussionssounds, aufeinander und entwickeln dabei stets wieder neue, ihrerseits kinetische Energie generierende Teilchen. Kreischende Verzerrungen einer in überdrehter Melodieseligkeit schwelgenden Gitarre gerinnen unter den warmen Strahlen eines puren Kontrabassklanges zu einer betörenden Synthese aus John Abercrombies Feinsinnigkeit, Bill Frisells Western-Romantik und James “Blood” Ulmers Punk-Pose. Trio-, Duo- und Solospiel ereignen sich gleichzeitig als hohe Kunst der Interaktion, die die Frage nach der Genrezugehörigkeit dieser Musik in der wärmenden Glut ihrer Hörerfahrung weit hinter sich lässt.

Thomas Fitterling, Rondo Magazin

... Azul is one of the most significant and fertile trios of this moment next to other guitar-bass-drums trios like that of Bill Frisell, bassist Tony Scherr and drummer Kenny Wollesen, of Julian Lagge, bassist Scotte Colley and Kenny Wollesen or of Jakob Bro, bassist Thomas Morgan and drummer Joey Baron respectively Jon Christensen. More Than This is what it says. It is ultimate emergent melodic music on an unusual high level of variation that makes the song sing in captivating ways.

allaboutjazz.com

Interview - Jazz Podium (Thorsten Meyer)

Carlos Bica & AZUL “More Than This”

Auf der Suche nach dem perfekten Song

AZUL ist nicht einfach eine Band, AZUL ist ein Sound. Über zwanzig Jahre spielen Carlos Bica, Frank Möbus und Jim Black und finden immer wieder neue Ansätze Bicas kompositorische Handschrift aus melancholischen Themen und spartanischen Arrangements zu einem farbenreichen Bandsound mit lyrischen Kontrapunkten und rhythmischem Drive weiterzuentwickeln. Begonnen hat alles in Würzburg. Der portugiesische Kontrabassist absolvierte dort sein klassisches Studium und hörte dort erstmals in einem Jazzclub Frank Möbus und seinen eigenwilligen Gitarrenstil. Man traf sich danach für Sessions, zu denen zeitweise dann auch Schlagzeuger Jim Black stieß, und als Carlos Bica dann nach Berlin ging, sich nach zehn Jahren in der Band der Sängerin und Landsfrau Maria João an eigene Projekte machte, war es klar, dass sowohl Möbus als auch Schlagzeuger Jim Black das Gerüst dieser Gruppe bilden würden. Mit der ersten AZUL-CD begann 1996 dann die Erfolgsgeschichte des Trios, der nun mit “More Than This” (Clean Feed) ein neues Kapitel hinzugefügt wird.

Was hält AZUL nach über 20 Jahren immer noch zusammen?

Die Musik und der Glauben daran, dass wir es geschafft haben einen eigenen Sound zu finden, was wir als AZUL-Sound bezeichnen, der sich unterscheidet von dem anderer Bands. Im Laufe der Jahre gab es nie radikale Veränderungen in der Musik. Das hat zum einem zu tun mit meiner Rolle als Bandleader und Komponist, aber noch mehr mit der Hingabe von Frank und Jim an meine Songs zu glauben und deren Stärke zu unterstreichen. Anderseits hat die Entwicklung der Gruppe die Entwicklung von jedem von uns begleitet. Eine Sache ist bei allen sechs Platten gleich geblieben: Die Suche nach dem perfekten Song (schmunzelt).

Was ist der “AZUL-Sound” für Dich?

Einerseits ist er geprägt von meiner kompositorischen Schrift, von meinen portugiesischen Wurzeln, von den Melodien die in meinem Kopf spazieren und die unkontrollierbar sind, aber der Azul Sound ist viel mehr als das, die Songs werden oft erst richtig geboren wenn wir sie spielen und nicht wenn ich sie schreibe. Aber dann auch damit, dass eins meiner Kollegen ein US-Amerikaner ist und der andere ein Deutscher, drei Menschen mit sehr unterschiedliche Backgrounds und Kulturen. Wir sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, sowohl menschlich als auch als Musiker. Das macht diese Chemie zwischen uns einzigartig und besonders.

Mein Wunsch ist immer, wenn ich in einer Band spiele, mit Musikern zu arbeiten die gefangen sind von dem, was sie an Musik machen. Ich habe irgendwann beschlossen, mit AZUL zu spielen nur wenn Frank und Jim zur Verfügung stehen. Da bin ich sehr konsequent geblieben und freue mich auch darüber, dass ich das so gemacht habe.

Wie arbeitet ihr, z.B. wenn es wie jetzt auf eine neue CD zugeht?

Wir sind eine sehr demokratische Band, aber ich bin der Bandleader, der die Stücke an meine Mitmusiker vorschlägt und sie zu überzeugen versucht, dass meine musikalischen Vorschläge etwas wert sind. Wir spielen nur ein Stück, wenn jeder die Möglichkeit hat seine Stimme dort auch zu entfalten. Jeder muss das Gefühl haben, etwas zu dem Stück beigetragen zu haben. Frank und Jim sind starke Persönlichkeiten, jeder ist selbst Bandleader. Ich muss meine Hausaufgaben also gut machen, wenn ich zur Bandprobe komme. Natürlich muss ich einen Plan haben, aber gleichzeitig auch offen genug sein eventuell die Richtung zu verändern. Einerseits also die Kollegen davon zu überzeugen, was ich im Kopf habe, andererseits es offen genug für ihre Ideen zu lassen. Auch bei dieser Platte ist es wieder passiert, dass die Stücke im Studio ihr Eigenleben entwickelt haben. Natürlich beeinflusst dabei jeder den anderen und jeder unterstützt den anderen, so dass die Musik zusammenfindet. Man muss ehrlich sein. Man muss offen sein. Es gab aber keinen Plan dafür wie diese Platte klingen sollte. Erst nachdem ich aus dem Studio gekommen bin und die Aufnahmen gehört habe sind mir Charakteristika aufgefallen. Im Vergleich zu den vorherigen Platten hat diese einen vielleicht rockigeren Gestus, andere rhythmische Farben. Eine Platte ist ein Dokument unser Zeit und einen Spiegel unsere Erlebnisse.

Jim Black hat ja eine ganz eigene Art der Gestaltung auf dem Schlagzeug. Inwiefern hast Du das berücksichtigt?

Zum größten Teil ist Jim verantwortlich für die Schlagzeug Stimme. Da ist dieser Standardspruch: “Ein guter Instrumentalist macht noch keinen guten Musiker, aber ein guter Musiker hat es leicht ein guter Instrumentalist zu werden.” Jim ist einfach ein guter Musiker und natürlich ein hervorragender Instrumentalist. Er holt die Musik ab. Er spürt sie. Er nutzt das Schlagzeug wie ein Orchester. Jim spielt nicht alles gleich, und er begleitet auch nicht einfach, trommelt auch nicht einfach den Puls durch. Das brauche ich nicht. Ein Metronom habe ich schon zu Hause (lacht). Er hat einfach geniale Ideen. Klar sind da Stücke bei denen ich vorher weiß, dass sie nur funktionieren, wenn vom Schlagzeug etwas Bestimmtes kommt. Aber da teile ich ihm auch mit, was ich im Kopf habe, und er als genialer Musiker kann das auf seine Art bestens umsetzen. Jim hat die Fähigkeit quasi ein Foto des Stückes zu machen, und dann immer im Rahmen des Stückes zu bleiben, das Motiv aber zu verändern. Er weiß wohin er gehen darf, er ist nicht kreativ um der Kreativität willen.

Bei AZUL funktioniert das Verhältnis von Schlagzeug und Gitarre auf eine ganz organische Weise. Frank Möbus ist selten so lyrisch wie hier.

Ja, das nehme ich auch so wahr. Er gilt in Portugal, das Land der Dichter, auch als einer der lyrischten Jazzgitarristen (schmunzelt). Und ich freue mich, dass Frank so auf die Musik zugeht und es trotzdem schafft weiter Frank Möbus zu sein und dieser Musik zu dienen.

Es ist eine spannende Balance zwischen diesem lyrischen Gestus und dem teilweise harten Ausbrüchen.

Ich liebe Brüche, auch deshalb ist die Chemie in der Band so besonders, weil jeder so unterschiedlich ist. Und ich bevorzuge diese mehreren Schichten, die die Musik haben kann, und die zu tieferem Verständnis führt. Das macht Musik ja auch viel interessanter als wenn alle dasselbe betonen würden. Die Songs und die Melodien, wenn sie stark genug sind, werden weiterleben und die Reise interessanter machen.

Die Platte heißt ja “More Than This” obwohl es keinen Titel gibt, der so heißt.

Zu dem Titel kam es ganz kurios. Es ist immer schwierig für mich einen Titel für eine Platte zu finden. Ich gehe meistens zuerst die Titelliste durch und suche nach einem Titel, der eine besondere Aussage hat bzw. ein Bild von der Gesamtaussage der Platte zeichnen kann. Das war hier aber nicht der Fall. Ich habe dann angefangen Titeln einfach so aufzuschreiben, die mir durch den Kopf gingen, und bin irgendwann meine LP-Sammlung durchgegangen ob da irgendwas ist was mich inspirieren würde, und bei Roxy Music und bei dem Titel "More Than This" hängen geblieben. So habe ich mich mit dem Titel angefreundet und fand es durch meine Interpretation, die nichts zu tun hat mit den Lyrics des Songs, auf irgendeine Weise passend für meine aktuelle innere Reise. Es gibt immer viel zu entdecken hinter dem Offensichtlichen. Und der Titel ist quasi ein Ruf dafür uns bewusst zu werden, was die Essenz um uns herum ist, und nicht begrenzt durch die materielle oder psychologische Formen zu sehen.

Auch die übrigen Kompositionen haben interessante Titeln, z.B. “Jolly Jumper”, “Wattenmeer” oder “XY ungelöst”.

- (lacht) Jolly Jumper ist ja das Pferd von Lucky Luke. Von dem bin ich ein Fan! Das Stück hatte für mich einen Western Charakter und da kam die Verbindung von Western zu Comics, und von Lucky Luke zu Jolly Jumper.

Bei “Wattenmeer” hatte ich Hilfe. Das Stück hatte noch keinen Titel, und ich habe es in Lissabon (nach Aufnahme der Platte) im Duo mit [Bicas langjährigen Freund, dem Pianisten] João Paulo Esteves da Silva gespielt. Ich habe es als titelloses Stück angekündigt, und in der Pause kam eine deutsche Frau auf mich zu und sagte: “Entschuldigung, aber ich habe einen Titel für ihre Komposition, wie wäre es mit 'Wattenmeer'?” Ich habe das dann erst einmal gar nicht weiter verfolgt, aber je länger ich darüber nachdachte desto passender fand ich es. Obwohl ich den westlichen Teil des Atlantischen Ozeans besser kenne als das Wattenmeer, fand ich es passend. Das Stück fängt sehr ruhig an, verändert sich, geht in einen furiosen Teil über, beruhigt sich dann wieder. Wie die Gezeiten.

“XY Ungelöst” verweist natürlich auf diese Fernsehsendung. Manchmal, wenn ich noch kein Titel für meine Stücke habe, kriegen sie erst einmal irgendwelche Buchstaben, damit ich sie unterscheiden kann. Bei dem Stück waren das XY, einfach so hingeschrieben. So wie sich das Stück dann entwickelt hat, hatte es etwas von “XY ungelöst”, es kommt nicht zu einer klaren Lösung. Es löst sich eben nicht auf, bleibt ungelöst (schmunzelt).

Es wird die Platte ja auch auf Vinyl geben. Was hältst Du von der “Vinyl-Renaissance”?

- Für mich ist diese Bewegung etwas Neues. Ich habe einfach gedacht, dass ich so viele schöne Schallplatten habe und da kam der Wunsch auf, selbst einmal so eine zu haben. Ich habe viele der neueren Vinyl Platten gehört und der Klang ist einfach schön. Und es ist einfach ein schönes Objekt.

Ob Vinyl in der Zukunft bedeutend wird ist schwer zu sagen. Einerseits kann man verstehen, dass Menschen — unabhängig jetzt vom Klang — so ein Objekt lieben. Andererseits wissen viele gar nicht, wie viele Stunden Überlegungen, Arbeit und Kosten hinter einer solchen Produktion stecken, bis zu dem Endergebnis. Das Materielle ist dann bei einer CD nur dieses kleine runde Ding. Das Objekt entspricht da nicht dem, was da an Arbeit hineingeflossen ist. Mit dem Vinyl wird das vielleicht auch eher geschätzt.

Die neue CD ist ja auch eine Art Mini-LP, mit Klappcover. Du hast aber immer schon viel Wert auf die Gestaltung Deiner CDs gelegt.

- Das Kind muss eben auch schön angezogen sein (lacht).

Thorsten Meyer

 
design by jazzdimensions.de