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Presse: Carlos Bica + Matéria-Prima

Das, was Carlos Bica zu einem absolut herausragenden Musiker im nationalen – sowie internationalen Panorama macht, ist die offengestandene Ansteckung seiner Musik durch die Pop Musik und die Folklore außerhalb des Jazz. Matéria-Prima ist eine perfekte Band, wie schon vor ihr das Trio Azul; eine andere Art, wie Carlos Bica das Universum des Pop/Folk ausschöpft und hemmungslos mit dem Jazz verschmelzen lässt, bis nicht mehr zu unterscheiden ist, wo das eine anfängt und das andere aufhört. Matéria-Prima ist Volksweltmusik, in der der Jazz inbegriffen ist.

Leonel Santos

Carlos Bica, Hauptfigur des portugiesischen Jazz seit nunmehr einem Vierteljahrhundert , erschließt unaufhörlich neue Wege für seine Musik, sei es, indem er alte Partnerschaften erneuert oder mit Musikern neuer Generationen Verbindungen schafft. Im Laufe der vielfältigen Karriere des Kontrabassisten, Komponisten und Bandleaders wurden stets Elemente aus den verschiedensten musikalischen Breitengraden auf stimmige und fruchtbare Art und Weise miteinander verbunden, vom Jazz über die Neue Musik, über die traditionelle portugiesische Musik bis hin zum Fado, so dass es oft schwerfällt, die Rolle der jeweiligen Einflüsse für den Aufbau seines charakteristischen musikalischen Universums auszumachen. Es ist ebendiese gelungene Zusammenfügung aus Richtungen und Einflüssen, die sein Werk entscheidend prägt, ganz frei von Verlegenheit. Nach diesem schönen Album gilt es nun den nächsten Schritt dieses Musikers, der uns an breite Horizonte gewöhnt hat und uns immer noch überrascht, abzuwarten.

António Branco

Ein neues Album und eine neue Gruppe haben meine Bewunderung für die enorme Sensibilität Carlos Bicas als Komponist noch größer gemacht, ebenso für seine Fähigkeit, eine Musik zu erschaffen, die, ausgehend vom Jazz, mit einer Prise "Amerikania"- und "Portugália"-Rock gewürzt und hier und da lateinamerikanische Aromen entfaltend, in einer absolut konsequenten und originellen Ästhetik resultiert. Es gibt mehrere Gründe, weshalb man sich dieses neue Album unbedingt anhören muss: Die hypnotischen Qualitäten von "D.C.", das neue Stück Bicas gleich zu Beginn, die packende Neueinspielung von "Canção Número Dois" – bekannt aus White Works, einem Album von João Paulo, der Carlos Bicas Kompositionen interpretiert – die bereits wohlbekannten "Believer", "Iceland" und "I Think I've Met You Before", das humorvolle "For Malena" (von Mark Ribot), das geheimnisvolle "Paris Texas" und ein großartiger Dreiviertakter aus der Feder João Paulos.

Paulo Barbosa

Während die Physiker hochentwickelte Instrumente wie das LHC (Large Hadron Collider) benötigen, um die Geheimnisse der Materie zu erforschen und neue Partikeln zu entdecken, braucht der Jazz lediglich die üblichen Instrumente und Forschungsgeist, um uns neue Welten zu offenbaren... Der Urstoff (Matéria-Prima), dieses neuen Albums, enthält vor allem Kompositionen von Carlos Bica selbst, von denen einige bereits aus anderen Projekten, insbesondere vom fabelhaften Trio "Azul", bekannt sind. Jedoch verwandelt sich die Materie, dank der Alchemie des Jazz, in etwas Anderes, wenn Matthias Schriefl (Trompete), Mário Delgado (Gitarre), João Paulo (Klavier, Keyboards, Akkordeon) und João Lobo (Schlagzeug) sie zerlegen und neu zusammensetzen. Es ist wahrscheinlich, dass die Existenz des Higgs-Boson keine Veränderung in ihrem Leben verursachen wird. Dasselbe kann man von diesem Album nicht behaupten. (*****)

Time Out Lisboa - José Carlos Fernandes

Dieses Werk zu hören hat mich endlich davon überzeugt, dass Carlos Bica nicht nur ein hervorragender Kontrabassist ist. Er ist ebenfalls ein Komponist und Arrangeur auf höchstem Niveau. Die Musik dieses Albums, das auf einigen Konzerten in Portugal live aufgenommen wurde, ist von herausragender Qualität. Bica ist ein Konzeptmusiker, der in dieser Formation den idealen Raum gefunden hat, um seine Ideen zu erforschen. Man hört eine mächtige und fantasievolle Musik, volle Themen, die in ihrem Durchschnitt eine außergewöhnliche Qualität aufweist... Musik zum Feiern, ohne zu jammern.

Expresso - Raul Vaz Bernardo

Wir sind alle Bica Fans. – Das neue Projekt Carlos Bicas übertrifft alle Erwartungen... Diese CD ist nicht (nur) Jazz, sondern sie verwischt die Stilgrenzen: sie ist Pop, sie ist Rock, sie ist Afro-Kubanisch, sie ist Latino, soviel gleichzeitig. Bica hat hier ein großartiges Album, sehr gut gezeichnet, sehr gut interpretiert, sehr zugänglich.

Ípsilon - Nuno Catarino

 Jazz Podium - Thorsten Meyer

Musiker aus Portugal spielen in Europa keine große Rolle, schon gar nicht, wenn sich ihr Lebensmittelpunkt in Berlin befindet und sie vor allem mit deutschen Musikern arbeiten. Carlos Bica ist da wohl die Ausnahme.

In den achtziger Jahren arbeitete Bassist und Komponist Bica mit Maria João zusammen und wurde 1998 in Portugal zum Jazzmusiker des Jahres gekürt. Er gilt als einer der bedeutendsten Jazzmusiker Portugals, was dazu führt, das Bica mit unterschiedlichen Formationen die Welt bereist hat.

Nun klingt die Musik von Bica nicht sehr portugiesisch, ist sie doch von Musikern wie Ry Cooder oder Marc Ribot beeinflusst. Möglicherweise ist dies der Grund dafür, dass diese Live-Aufnahmen von 2008 erst jetzt, drei Jahre nach ihrer Entstehung, regulär veröffentlicht werden.

Das liegt nicht an den zehn Titeln auf diesem, einfach "Carlos Bica + Matéria-Prima" betitelten Album. Ganz im Gegenteil, Bica hat erstklassige Mitspieler und spielt wunderschönen Jazz mit südamerikanischem Flair.

Michael Freerix, jazzdimensions.de

Carlos Bica

Rohstoff für Fantasiereisen

“Die Musik gibt den Musiker die Möglichkeit, aus dem Klang als Rohstoff immer etwas Neues zu erschaffen.”

“Obwohl Jimi Hendrix nie Jazz gespielt hat, steckt viel mehr Jazz in seiner Musik als in der vieler Jazzmusiker.”

Kunstvoll gestylte Stilettos zieren die CD von “Matéria-Prima”, dem neuen Projekt von Carlos Bica.

“Als ich auf der Suche nach einem passenden Motiv zu dem Namen des Projektes MATÉRIA-PRIMA war (zu Deutsch: Rohstoff), fiel mir ein Schuh ein. Ein Schuh kann soviel Esprit wie ein Gemälde oder ein Stuhl haben. Diese enge Verbindung zwischen dem Banalen und dem Sublimen gefällt mir auch in der Pop-Art sehr. Die Musik gibt den Musiker die Möglichkeit, aus dem Klang als Rohstoff immer etwas Neues zu erschaffen.”

Seit 1996 tut der portugiesische Kontrabassist und Komponist genau dies in seinen Projekten. Mit dem Trio AZUL spielte er seitdem vier CDs ein, mit der Gruppe DIZ eine, und auch seine Solo-Kontrabass-CD von 2005 zeigte, dass eine neue CD von Carlos Bica auch immer musikalisches Neuland für ihn wie für seine Hörer bedeutete. Die neue CD stellt nicht nur ein neues Projekt vor, sondern ist auch Bicas erste Live-CD. Mit Ausnahme von einem Stück würde die Musik an zwei Abenden in Lissabon und in Porto aufgenommen.

“Als wir die Konzerte gespielt haben, war uns nur wichtig an diesen Abenden gute Musik zu machen. Der Gedanke, dass eventuell daraus eine CD entstehen könnte, war sekundär. Eine Live CD zu produzieren hat eine völlig andere Herangehensweise als eine Konzept- CD im Studio einzuspielen. Bei einer Live CD fehlen einem die technischen Möglichkeiten etwas zu verbessern, es können einige Spielfehler entstehen, aber dafür lebt eine Live CD von dem Geist der an diesen Abende und Orte vorhanden war. Die Musiker sind nicht allein, das Publikum "spielt" mit.”

MATÉRIA-PRIMA ist eine weitgehend portugiesische Formation. Mit Joao Paulo ist einmal mehr Bicas langjähriger Mitstreiter am Klavier dabei. Die beiden verbindet eine jahrlange persönliche und kreative Freundschaft. Im vergangenen Jahr nahm Paulo eine Pianosolo-CD mit Bicas Kompositionen auf (“White Works”, Universal), die in Portugal zur Jazz-CD des Jahres gewählt wurde.

“Ich kenne ganz wenig Musiker die in dem Jetzt und aus dem Nichts grandiose Musik machen können wie Joao Paulo. Er ist ein unglaublicher Improvisator und ein hervorragender Pianist. Er kann sowohl klassische Musik mit ausgezeichneten Niveau, als auch Volksmusik oder jede Art von improvisierter Musik spielen. Die Genres spielen für ihn keine Rolle, trotzdem bleibt er er selbst und ist sofort zu erkennen.”

Auch den Gitarristen Mário Delgado kennt Carlos Bica seit seiner Jugendzeit. Zur Gitarre hat der Kontrabassist eine weit zurückreichende Affinität.

“Ich bin mit dem Klang der E-Gitarre aufgewachsen, Jimi Hendrix war mein erster Heroe. Obwohl Hendrix nie Jazz gespielt hat, steckt viel mehr Jazz in seiner Musik als in der vieler Jazzmusiker.”

Der junge Schlagzeuger Joäo Lobo rief Bica eines Tages an um eine Stunde bei ihm zu nehmen. Stattdessen haben sie einfach zusammengespielt und Bica war sofort begeistert von seiner Spielweise und musikalischen Reife.

Aus der portugiesischen Phalanx heraus sticht Matthias Schriefl, der einfühlsame Trompetenakzente setzt.

“Ich hörte von ihm das erste Mal als er 2008 in Lissabon mit dem European Movement Jazz Orchestra spielte, und wurde neugierig. Danach hörte ich mir seine Musik bei Myspace an und dachte mir sofort, dass er der richtige Musiker wäre um das "Casting" von MATÉRIA-PRIMA abzuschließen. Ich ging meiner Intuition nach und lud ihn ein mitzuspielen. Erfreulicherweise hatte meine Intuition wieder recht.”

Der Sound einer Band steht für Carlos Bica an erster Stelle. Waren es bei AZUL bisher der Kontrast zwischen Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug und bei DIZ der Zusammenklang der Streicherbesetzung in Kombination mit Gesang, bietet MATÉRIA- PRIMA einen völlig neuen Rahmen für Bicas kompositorische Ideen.

“Musik ist für mich an erste Stelle Klang, wenn ich Musik höre, fällt mir als erstes der Klang, der durch die Instrumenten und Musiker entsteht, ein. Diese Besetzung - Trompete, Flügelhorn, Klavier, Orgel, Akkordeon, E- und Akustik-Gitarre, Kontrabass, Schlagzeug, Perkussion — ist unglaublich vielseitig. Man kann durch die Auswahl der Instrumente sehr unterschiedliche Atmosphären erzeugen und das finde ich sehr spannend. Musik entsteht ja nicht nur durch die Kompositionen. Die Musiker machen erst aus Notenmaterial Musik, und jede neue Konstellation von Musikern erlaubt einer Komposition ein neues Leben zu bekommen. Das ist das schöne an der improvisierte Musik, trotz Komposition gibt es immer noch einen riesigen Raum für den eigenen Ausdruck.”

Deshalb finden sich auf der neuen CD auch Kompositionen, die man schon aus anderen Kontexten kennt, und denen die neue Gruppe neues, anderes Leben einhaucht. Carlos Bica hat mittlerweile sein eigenes Songbook entwickelt (das Ende des Jahres auch in gedruckter Form erscheinen soll) und passt sie an die verschiedenen Besetzungen an. Zwei Fremdkompositionen sind aber auch dabei.

“Ich bin ein Fan der Musik von Mark Ribot, und sein Stück "For Malena" sprach mich an, genauso wie Ry Cooders "Paris Texas", das ich bereits vor ein Paar Jahre in der Fassung für Kontrabass Solo aufgenommen habe. Musik hat diese magische Eigenschaft einem zu berühren, egal ob es sich um eine Komposition von einem zeitgenössischen Komponisten handelt oder um ein Volkslied, das seit ein Paar Jahrhunderten existiert. Gute Musik ist zeitlos und wenn sie einen berührt darf man sie auch nehmen und adoptieren.”

Diese Adoption gelingt großartig, und man darf hoffen, dass dieser Rohstoff für ausgedehnte und ereignisreiche Phantasiereisen nicht nur auf CD, sondern auch bald auf deutschen Bühnen zu hören sein wird.

Jazz Podium - Thorsten Meyer

 
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